5 feministische Bücher mit Armutsrealitäten: Wenn Finanzbildung an Systemgrenzen stößt

Dass ich Frauen*FLINTA-Personen dabei unterstützen möchte, nicht eines Tages in Armut zu landen, war schon immer ein tiefer innerer Antrieb von mir. Zu diesen FLINTAs zähle ich längst auch meine eigenen Töchter. Ich denke an Frauen aus meinem Freundinnenkreis, aus meiner Familie und aus meiner Vergangenheit – Frauen, die häufig nur die Wahl der Ehe hatten, um dem Zustand ökonomischer Ohnmacht zu entkommen.

Armutserfahrungen prägen den Umgang mit Geld

Meine Kindheit war von Armut geprägt. Das ist ein Fakt. Er lässt sich nicht umschreiben, nicht relativieren und auch meiner heutigen, 42-jährigen Version kein anderes Fundament geben.

In der Psychologie wird der Begriff Prägung inzwischen kritisch betrachtet, weil er suggeriert, dass etwas endgültig festgeschrieben sei. Diese Perspektive habe ich unter anderem aus dem Buch Scham mitgenommen – auch wenn der Autor dort einen anderen Schwerpunkt setzt. Der Gedanke lässt sich dennoch übertragen. Frühe Erfahrungen lassen sich verändern und einordnen. Sie lassen sich jedoch nicht löschen.

Meine Armutserfahrung haftet an mir wie ein Brandmal. Ich trage sie jeden Tag mit mir, obwohl ich längst nicht mehr in Armut lebe.

Sozialaufstieg heilt keine Geldängst

Ich kann mich als Sozialaufsteigerin bezeichnen. Rein äußerlich gäbe es also allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Doch so einfach ist es nicht. Die frühen, trüben Erinnerungen an Geld – die finanziellen Sorgen, die ich bei meiner Mutter als Kind beobachtet habe – lassen sich weder schönfärben noch ausradieren.

Klassismus, finanzielle Scham und innere Blockaden

Viele Menschen mit Armutserfahrung kämpfen nicht nur mit Zahlen, sondern mit inneren Hürden: finanzieller Scham, Misstrauen gegenüber Geld, tief verankerten Glaubenssätzen. Klassismus kickt leise.

Gedanken wie:

  • „Investieren ist etwas für andere.“
  • „Vermögen steht Menschen mit Herkunft zu.“
  • „Ich gehöre nicht dazu.“

Diese Überzeugungen entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis struktureller Ungleichheit und sie verschwinden nicht automatisch mit steigendem Einkommen.

Warum finanzielle Bildung ohne Kontext zu kurz greift

Einen entscheidenden Wendepunkt markierte meine Trennung von meinem Mann, dem Vater meiner Kinder. Erst durch diese Emanzipation – und das Gefühl, wirklich allein verantwortlich zu sein – war ich gezwungen, mich meinen Blockaden zu stellen. Darauf folgten mein wachsendes Interesse an Geld, die Gründung von Money Sisters und schließlich meine Ausbildung zur zertifizierten Finanzcoachin.

Meine finanzielle Bildung habe ich mir größtenteils selbst angeeignet und baue sie bis heute weiter aus. Besonders finanzpsychologische Zusammenhänge beschäftigen mich intensiv. Fachbücher haben mir viel erklärt – sie haben mir jedoch Grenzen aufgezeigt.

Finanzpsychologie braucht Erfahrungsräume

Seit gut einem Jahr lese ich wieder vermehrt Romane. Und mit jedem Buch wurde mir klarer, dass Expert:innenwissen allein mir nicht die Tiefe an Einsichten liefert, die ich brauche, um Emotionen rund um Geld wirklich zu verstehen.

Literatur eröffnet Erfahrungsräume. Sie macht Armut, Scham, Abhängigkeit und Überleben spürbar. Sie zeigt, wie Geldbeziehungen entstehen, sich verfestigen und weitergegeben werden. Diese Perspektiven lassen sich nicht berechnen, aber sie lassen sich begreifen.

Finanzielle Bildung braucht Ressourcen

Wer dauerhaft damit beschäftigt ist, finanziell über die Runden zu kommen, verfügt oft nur über begrenzte emotionale und mentale Ressourcen, um sich zusätzlich mit komplexen Finanzfragen auseinanderzusetzen.

Finanzielle Bildung setzt Stabilität voraus: Zeit, Sicherheit, die Möglichkeit zur Reflexion. Diese Voraussetzungen stehen nicht allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung.

Warum Bücher für mich ein Schlüssel geworden sind

An diesem Punkt haben Bücher für mich eine besondere Bedeutung bekommen. Romane, autobiografische Texte und erzählende Sachbücher schaffen Zugänge, die klassische Finanzliteratur selten bietet. Sie ermöglichen Einordnung statt Optimierung. Verständnis statt Bewertung.

Im Folgenden teile ich eine Auswahl an Literatur, die mich beeindruckt, bewegt und gedanklich herausgefordert hat. Ich halte diese Bücher für besonders wertvoll für Menschen, die finanzielle Bildung vertiefen wollen – und ebenso für alle, die Armutserfahrungen nachvollziehen, einordnen und vielleicht ein Stück weit heilen möchten.

Working Class Girl
von Katriona O’Sullivan

Darias Rating: 💛💛💛💛💛
Verfügbar als als Hörbuch: nein

Dieses Buch machte mich fassungslos, traurig und wütend. Es trieb mir immer wieder Tränen in die Augen und wenn ich daran denke, dass das alles passiert ist und immer noch geschieht, macht es mich ohnmächtig und rasend zu gleich. Der allerbeste Teil kommt tatsächlich zum Schluss des Buches indem gegen Ungerechtigkeiten und für Chancengleichheit aufruft. Liebs einfach!

Halbe Portion
von Elizabeth Pape

Darias Rating: 💛💛💛💛💛
Verfügbar als als Hörbuch: nein

Vielleicht hat mich dieses Buch auch deshalb in den Bann gezogen, weil ich viele Erfahrungen daraus teilen kann – wenn auch nicht in diesem Ausmaß. An einigen Stellen verspürte ich aber auch tiefe Dankbarkeit meiner Mutter und Familie gegenüber, denn egal wie prekär manche Lebenslage war, ich fühlte mich immer sehr geliebt. Und das ist wirklich unbezahlbar.

Good Girl
von Aria Aber

Darias Rating: 💛💛💛🤍🤍
Verfügbar als als Hörbuch: ja

Dieses Gefühl von permanenter Unzulänglichkeit. Du willst dazu gehören, aber egal wie sehr du an dir schleifst und feilst, du kommst nicht in die passende Form. Es lebe der Klassismus, Rassismus und der Sexismus. Stellenweise brachte mich das Buch zur Verzweiflung, aber es lohnte sich bis zum Schluss am Ball zu bleiben.

Prima Fazie
von Suzie Miller

Darias Rating: 💛💛💛💛💛
Verfügbar als als Hörbuch: ja

Da schaffst du es raus aus der Armut und trotzdem holt dich deine Vergangenheit ein. Das ist einer meiner ersten Gedankengänge zum Buch. Außerdem stellenweise spannend wie ein Krimi. Mit sehr viel Fokus auf die Protagonistin und ihre Zerrissenheit. Zudem hat mich die juristische Welt im Vereinigten Königreich fasziniert, dass ich bis dato nicht kannte. Absolute Leseempfehlung.

Und alle so still
von Mareike Fallwickl

Darias Rating: 💛💛💛💛💛
Verfügbar als als Hörbuch: ja

Ich kann das Buch in so vielen Kontexten empfehlen, weil so viele Perspektiven dir einfühlsam und scharfsinnig dargestellt werden. Die unzumutbaren und unmenschlichen Verhältnisse in denen Menschen ausgebeutet werden, werden hier so greifbar von Mareike Fallwickl beschrieben, dass es dich nicht kalt lassen kann. Im Armuts-Kontext geht es hier auch mal nicht um eine Frau sondern einen jungen Mann.

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